Prüfungs- und Schulangst
Ein gewisses Maß an Aufregung vor einer Prüfung ist normal. Wird die Angst übermäßig groß, spricht man von einer Prüfungsangst — sie ist gut behandelbar.
Was ist Prüfungsangst?
Ein gewisses Maß an Aufregung vor einer Prüfung ist normal und sogar hilfreich, um die eigene Leistungsfähigkeit abzurufen. Werden Aufregung und Angst jedoch übermäßig groß, spricht man von einer Prüfungsangst. Sie betrifft Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende und auch Erwachsene in Weiterbildungen — in schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungssituationen gleichermaßen.
Ursachen
Prüfungsangst entsteht meist durch das Zusammenspiel mehrerer Umstände. Risikofaktoren können in der Person selbst liegen — etwa geringes Selbstvertrauen oder ausgeprägter Perfektionismus — oder im Umfeld, zum Beispiel durch hohe (tatsächliche oder angenommene) Erwartungen von Familie oder Freunden. Auch länger anhaltende Belastungen im Leben, wie ein Umzug oder eine Erkrankung, können die Entstehung begünstigen.
Auslöser ist meist eine als unkontrollierbar erlebte, angstauslösende Situation im Zusammenhang mit einer Prüfung — manchmal reicht ein einzelnes belastendes Erlebnis, manchmal summieren sich mehrere unangenehme Erfahrungen. Kritisch für die Aufrechterhaltung ist die sogenannte Erwartungsangst: die Angst davor, dass die Angst in der nächsten Prüfung erneut auftritt. Bleibt sie aus, verfestigt sich die Prüfungsangst in der Regel nicht; tritt sie erneut auf, kann sie sich zunehmend auch auf ähnliche Situationen ausweiten (Generalisierung) — bis hin zur Angst vor Prüfungen ganz allgemein.
Symptome
Eine Prüfungsangst liegt vor, wenn die Angst deutlich vor und/oder während der Prüfung auftritt, die Leistungsfähigkeit spürbar beeinträchtigt, über einen längeren Zeitraum und in verschiedenen Situationen stabil bleibt und sich im Verlauf eher verstärkt als abschwächt. Sie zeigt sich auf mehreren Ebenen:
- Körperlich: Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Schwindel, Muskelverspannung; in der Vorbereitungsphase zusätzlich z. B. Kopf- oder Bauchschmerzen und Schlafstörungen
- Gedanklich: selbstabwertende Gedanken („Ich bin zu blöd dafür“), Katastrophenszenarien und angstverstärkende Gedanken
- Gefühlsmäßig: ein Gefühl von Angst, das kaum kontrollierbar erscheint, oft zusätzlich verbunden mit Ärger über die eigene Angst
- Verhalten: exzessives oder vermeidendes Lernverhalten, psychosomatische Beschwerden am Prüfungstag, im Extremfall Prüfungsvermeidung oder ein „Blackout“ während der Prüfung
Hilfen
Leichtere Prüfungsangst lässt sich oft allein oder mit Unterstützung aus dem Umfeld bewältigen. Bei schweren Ausprägungen, die bereits zu Prüfungsversagen oder deutlichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt haben, empfiehlt sich fachliche Unterstützung — Prüfungsangst ist aus therapeutischer Sicht gut behandelbar. Wir setzen dabei an drei Ebenen an:
- Körperliche Ebene: Erlernen einer Entspannungstechnik, um körperliche Symptome in Vorbereitung und Prüfung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren
- Gedankenebene: angstauslösende Gedanken erkennen, auf ihre Logik hin überprüfen und schrittweise durch angstreduzierende, realistische Gedanken ersetzen
- Verhaltensebene: das Lernverhalten in der Vorbereitung überprüfen und anpassen sowie konkrete Strategien für die Prüfungssituation selbst erarbeiten, etwa im Umgang mit einem Blackout